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01.12.2011

Mit neuer „Wintertechnik“ noch besser gerüstet

Straßenbahnwerkstätten des GVB entwickeln neuen Schneepflug für die Gleise und einen speziellen Stromabnehmer zum Enteisen der Fahrleitung


Aus Sicht der Straßenbahnwerkstätten des Geraer Verkehrsbetriebes kann der Winter kommen. Pünktlich zur kalten Jahreszeit sind zwei Neuentwicklungen fertig geworden, an denen das Team um Werkstattleiter Frank Waldenmaier seit dem Frühjahr getüftelt hat: Ein neuer verbesserter Schneepflug für die Gleise sowie ein spezieller Stromabnehmer, der die Oberleitungen vorm Vereisen schützt. Beide Geräte wurden in den Straßenbahnwerkstätten entwickelt und gebaut. „Die Geräte entstanden aus den Erfahrungen des vergangenen Winters“, berichtet Frank Waldenmaier. „Zwar haben wir im Gegensatz zu anderen Städten den Straßenbahnbetrieb in Gera immer aufrecht erhalten können. Doch das forderte einen hohen persönlichen Einsatz von unseren Kollegen und führte zu hohen Betriebs- und Personalkosten für das Unternehmen.“ Mit der neuen Technik ist der GVB nun besser gerüstet gegen die Hauptprobleme des Winters: Schneemassen auf den Gleisen, die eine Weiterfahrt verhindern, sowie vereiste Oberleitungen, die die Stromversorgung der Straßenbahnen stören oder ganz kappen und die empfindliche Bordelektronik schädigen können. 

Seit 1983 bereits verfügt der GVB über einen Schienen-Schneepflug, auch er war in den Straßenbahnwerkstätten entwickelt und gebaut worden. „Doch ist dessen Schiebeschild auf die Breite der Tatra-Straßenbahnen ausgelegt. Die NGT8G sind aber 20 Zentimeter breiter“, so Waldenmaier. Als sich im vergangenen Jahr der Schnee links und rechts der Gleise türmte, kamen die neuen Bahnen deshalb trotz gepflügter Trasse nicht mehr durch. Der neue Schneepflug ist deshalb breiter und kann mit seinem auf 7,8 Tonnen verdoppelten Gewicht auch deutlich mehr Schnee bewältigen. Für ausreichende Antriebskraft sorgt nun eine Tatra-Straßenbahn in Doppeltraktion, die den Pflug vor sich her schiebt. Der Clou: Das neue Schiebeschild ist verstellbar! „Je nachdem, ob wir auf freier Strecke, im Haltestellenbereich oder an einer Einfahrt räumen, steuert der Fahrer aus dem Führerstand, ob er den Schnee nach links oder rechts werfen will“, erläutert Waldenmaier. „Das macht uns, aber auch Anliegern und Autofahrern, das Leben leichter.“ Nun „fiebern“ die Kollegen regelrecht dem ersten Schnee entgegen, um den Pflug testen zu können. Überzeugt die Neuentwicklung, haben bereits andere Verkehrsbetriebe Interesse bekundet. 

Eine verblüffend einfache Lösung fand sich für das Problem der vereisten Fahrleitungen: Der so genannte „Enteisungsstromabnehmer“. Diese Entwicklung der Dresdner Verkehrsbetriebe hat der GVB auf die hiesigen Fahrzeuge angepasst und auf den Schienenschleifwagen montiert. Äußerlich kaum von einem herkömmlichen Abnehmer zu unterscheiden, enthält er einen kleinen Metalltank und eine Filzwalze. Während der Fahrt wird die Unterseite des Fahrdrahtes mit einer dünnen Schicht Glycerin bestrichen, einem Stoff, der das Anhaften von Eiskristallen verhindert. „Kündigen sich Temperaturen um den Gefrierpunkt an, bringen wir diese Schutzschicht vorbeugend auf“, erläutert der Werkstattleiter. „In den ersten eisigen Nächten hat der Schutz gegen Raureif schon überzeugt.“ Derzeit wird getestet, wie oft und in welcher Stärke der Schutzfilm aufgebracht werden muss. „Unser Ziel ist natürlich, dass uns selbst ein Eisregen nichts mehr anhaben kann.“ 

Bild: Wolfgang Wagner, Michael Altenberger, Carsten Musiol, Hubert Jakobi und Frank Waldenmaier (v.l.) aus der Straßenbahnwerkstatt entwickelten gemeinsam mit Florian Hüttig und Alexander Körner den neuen Schienenschneepflug, der den GVB noch „winterfester“ machen wird.

 




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