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01.06.2010

"Sprechende" Straßenbahnen helfen Sehbehinderten

GVB rüstet Straßenbahnen mit Außenansage aus / Nennung von Liniennummer und Fahrtziel erleichtert sehbehinderten Reisenden die Orientierung / Pilotprojekt für Thüringen


Als erstes Unternehmen in Thüringen rüstet der Geraer Verkehrsbetrieb GmbH (GVB) seine Straßenbahnen mit einer automatischen Außenansage aus. Im Beisein von Uta Lampe, Leiterin des Dezernats ÖPNV im Landesamt für Bau und Verkehr, des Landesbehindertenbeauftragten Dr. Paul Brockhausen und der Geraer Behindertenbeauftragten Christine Morgenstern wurde die neue Technologie durch GVB-Geschäftsführer Udo Gantzke Anfang der Woche offiziell in Betrieb genommen. Bei Einfahrt in eine Haltestelle, an der mehrere Straßenbahnlinien verkehren, werden künftig automatisch Liniennummer und Fahrtziel angesagt. Dieser neue Service soll insbesondere sehbehinderten Fahrgästen die Orientierung und das Umsteigen erleichtern.
„Ich freue mich sehr, heute diesen neuen Service für unsere Fahrgäste in Betrieb nehmen zu können“, sagte GVB-Geschäftsführer Udo Gantzke. Die Außenansage biete eine weitere Unterstützung insbesondere für sehbehinderte Reisende, damit sie sich ohne fremde Hilfe mit öffentlichen Verkehrsmitteln in der Stadt bewegen können. Doch sehe er die Außenansage als zusätzlichen Service für alle Reisenden, so Gantzke weiter. „Schließlich kann es an der Heinrichstraße ganz schön turbulent zugehen, wenn sich dort mitunter vier Bahnen von zwei Linien kreuzen. Da tut Orientierung auch anderen Fahrgästen gut.“ Alle zwölf NGT8G-Bahnen des GVB werden mit der Ansagetechnik ausgestattet. Die Ansage erfolgt automatisch bei Einfahrt in jene Haltestellen, an denen zwei Straßenbahnlinien verkehren, also in der Heinrichstraße (Linie 1 und 3) und den Haltestellen in Lusan zwischen Fußgängerbrücke und Zeulenrodaer Straße (Linie 2 und 3).
Die Initiative für diesen neuen Fahrgastservice geht zurück auf den Thüringer Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. Er machte im GVB-Fahrgastbeirat auf ein Problem aufmerksam, das sich durch den Einsatz der neuen Straßenbahnen auch auf der Linie 3 ergeben hatte. „Da die im Oberbereich der Fenster angebrachten LED-Zielanzeigen für Sehbehinderte schlecht zu erkennen sind, orientierten wir uns bis dahin an der Form der Bahnen: Auf der Linie 1 fuhren die ‚bauchigen neuen’, auf der Linie 3 die ‚schlankeren alten’ Bahnen“, erläutert Eberhard Tölke vom Blinden- und Sehbehindertenverband. Als ab Anfang 2009 die neuen Straßenbahnen auf allen Linien im Einsatz waren, kam es immer wieder zu Verwechslungen. „Der GVB hat sich dieses Problems angenommen, mit uns gemeinsam nach Lösungen gesucht“, lobte Tölke. Schnell war klar, dass nur eine akustische Unterstützung das Problem lösen könnte, doch kam aus Sicherheitsgründen eine „manuelle Ansage“ durch die Fahrer nicht in Frage; eine automatische Ansage wiederum war für den GVB nicht finanzierbar. Erst als das Land Thüringen Fördermittel zusagte, konnte die Technik beschafft werden. Die Investition in Höhe von rund 30.000 Euro wurde durch das Land zu 50 Prozent gefördert.




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