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Die Gründerjahre (1891 bis 1900)

Deutschlands zweite Stadt mit einer "Elektrischen"

Mit dem Wirtschaftsaufschwung stieg Ende des 19. Jahrhunderts die Einwohnerzahl Geras deutlich an, Gütertransporte und der „Individualverkehr“ – damals mit Lohndroschken abgewickelt – nahmen zu. Um dem Wildwuchs Herr zu werden, entwickelten die Stadtväter bereits ab 1880 Pläne für einen schienengebundenen Straßenbahnverkehr – allerdings noch mit Pferden als Zugtieren. Der Bedarf schien gegeben. So ermittelte 1886 eine Verkehrszählung am Bahnübergang am Theater, dass täglich 8770 Fußgänger und 490 Pferdegeschirre diesen wichtigen Verkehrsknotenpunkt passierten. 

Parallel zu diesen Plänen ging bereits 1891 in Halle die erste elektrische Straßenbahn in Betrieb und stellte in punkto Sauberkeit, Schnelligkeit und Sicherheit ihre Vorteile gegenüber den Pferdebahnen unter Beweis. So erteilte auch die Stadt Gera Anfang 1891 die Konzessionen zum Betrieb einer Straßenbahn und zur Stromversorgung entlang der Trassen an die eigens dafür gegründete „Geraer Straßenbahn Aktiengesellschaft“. In diesem Unternehmen liegt der Ursprung des öffentlichen Nahverkehrs sowie der Produktion und Versorgung mit elektrischer Energie in Gera. Denn Voraussetzung für den Betrieb einer elektrischen Straßenbahn ist natürlich das Vorhandensein von Strom sowie dessen sicherer Transport an die Trasse. Unternehmenszweck der Straßenbahn AG war neben dem Bau und dem Betrieb eines Straßenbahnennetzes zur Personen- und Güterbeförderung auch die Entwicklung von elektrischer Straßenbeleuchtung, die die bis dato üblichen Gaslaternen ablösen sollte. 

Zu diesem Zweck nahm die Straßenbahn AG im Januar 1892 in der Elisabethstraße 4 (heutige Amthorstraße) das erste Geraer Kraftwerk – Centralstation genannt – in Betrieb. Dies war Voraussetzung dafür, dass am 22. Februar 1892 Gera als zweite Stadt in Deutschland mit einem elektrischen Straßenbahnverkehr beginnen konnte. Zwei Linien wurden zunächst bedient: Die Linie A von Untermhaus nach Lindenthal, die Linie B von Tinz nach Debschwitz; im April 1893 kam die Linie C vom Bahnhof nach Pöppeln dazu. Ständige Veränderungen am Liniennetz, Bauarbeiten an den Gleisen und schwankende Fahrgastzahlen prägten die Anfangsjahre des Geraer Straßenbahnwesens – von einem renditestarken Unternehmen war die Straßenbahn AG damals weit entfernt.

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